[Auszüge eines Buches - eine Leseprobe]
Kindheit
Mit vier Jahren lernte ich das Alphabet und begann, meinen Eltern das Fernsehprogramm vorzulesen.
Und schwimmen. Doch wenn meine Hände nicht die Ostseewellen beiseite drängten, hielten sie ein Buch.
Mit zehn Jahren hatte ich gefühlt die Kinderbibliothek der Stadt durchgelesen und vier Jahre Leistungssport hinter mir.
Jugend
Die Bibliothek der Großen. Ich las mich rund um den Globus, segelte mit Kolumbus, ritt mit den Indianern und träumte mich zum Olymp der griechischen Götter.
Der Leistungssport wurde durch Mathematik-Clubs und -Olympiaden ersetzt.
In meinem Jugendzimmer unter dem Dach stand ein altes Radio. Mit dem Regler drehte ich von Land zu Land und ahmte nach, was ich einfangen konnte: Französisch, Englisch, Russisch, Finnisch, Italienisch, Ungarisch. Jemand, der die Sprachen nicht verstand, hätte mich für eine Muttersprachlerin gehalten. Lautmalen ohne Inhalt, aber mit Begeisterung.
Berlin, Berlin
Seit der 5. Klasse die 1.0er-Zeugnisse, nun das Abi mit Auszeichnung in der Tasche, hielt ich den Daumen in den Wind und - ab ging's durch Europa.
Dann Studium der Mathematik und Informatik - erster Studiengang - die Elitetruppe. Und ich langweilte mich. Antrag auf Fachrichtungswechsel: Klassische Philologie und Bibliothekswissenschaften ... - Dem Wechsel wurde statt gegeben, doch mit Warteliste. Ich überbrückte die Zeit mit einer Tätigkeit in der - wie sollte es anders sein - Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz. 8 Mio Bände und der Duft von Jahrtausenden ...
Ein Bruch |
Ein Brief
Und dann eine plötzliche Absage: "Wir mussten jemanden von der Bibliothek des Zentralkomitees der SED aufnehmen ..."
Mein Leben änderte sich: Ich entdeckte die Welt des Theaters, die Literaturcafés, das Centre Culturel Français, die Bibliothek der USA-Botschaft, die freiberufliche Tätigkeit für Verlage. Die Literatur änderte sich: Hannah Arendt "On Totalitarianism" ...
Und dann ein Brief im Sommer 1986: "Ich beantrage die Aberkennung der Staatsbürgerschaft der DDR und die Übersiedlung nach Berlin-West ..."
Im Mai 1989 erfolgte die Ausreise; im November fiel die Mauer. Die bewegte Nacht des 9., in der ich meine Schwester aus Ostberlin an einem Checkpoint in die Arme nahm und bis in den Morgen mit ihr am Ku'damm feierte ...
Studium
Nach fast vier Jahren freiberuflicher Tätigkeit, der Ausreise und dem Ankommen in West-Berlin begann ich endlich - mit 25 Jahren -, an der FU Berlin Indologie, Germanistik und indogermanische vergleichende Sprachwissenschaften zu studieren. Mit der Zwischenprüfung wechselte ich nach Hamburg, wo sich die wichtigste Tür meiner inneren Biografie öffnete: die zum frühen Buddhismus.
Den Magister erhielt ich 1994.
Weisheit
Obwohl ich von der Universität Hamburg ein religionsvergleichendes Promotionsprojekt angenommen hatte, reiste ich mit einigen Referenzen, einem One-way-Ticket und dem Ziel, in den frühbuddhistischen Orden einzutreten, nach Sri Lanka. Drei Monate später wurde ich vom höchsten Würdenträger des Landes ordiniert. Die Durchschauung der tiefsten Gesetze der Existenz, die vollständige Aufhebung von Gier, Hass und Verblendung - das waren von nun an die Ziele. Mit einer Almosenschale voll Utensilien und meiner kleinen Bibliothek lebte ich zwei Jahre in Klöstern, Meditationszentren und zwei Jahre allein in einer Hütte im Dschungel. Studium, Meditation und ein täglicher Almosengang - der Weg zum sicheren Eiland Nirvana ...Die Sprache der Wildnis ist die Sprache der Liebe.
Erprobung
Bitte einmal Nirvana und zurück. Über vier Jahre hatten sich die Türen der entlegendsten Einsiedeleien und Höhlenklöster geöffnet. Und plötzlich fand sich kein Ort des Bleibens mehr. In dem denkbar größten Kulturschock offenbarte sich meine größe Demutsübung: alles Wissen, alle Weisheit in die westliche Welt der Materie zu tragen und die Gesetze daran zu überprüfen.
Die Universitäten gehörten der Vergangenheit an. Das Leben katapultierte mich aus Armuts- und Keuschheitsgelübten mitten hinein ins Geschäftsleben.
Vertriebsaufbau
Nach einigen Jahren im Filialaufbau folgte eine Ausbildung im internationalen Projektmanagement. Die 144 Seiten der Projektarbeit entbehrten keineswegs der Ironie: "Aufbau eines Vertriebssystems in DK, S und N für die Buddenbrook Textil GmbH", und schlug einen Bogen zu den großen Literaten.
Ich stieg nahtlos in diese Tätigkeit ein, arbeitete in D, DK und GB. Jede Tür, an der ein "Royal" stand, flößte mir unendlich Ehrfurcht ein - und war am Ende ganz normal.
Lehre
Parallel baute ich eine Seminar- und Vortragstätigkeit auf: Studium des frühen Buddhismus und Meditation, Persönlichkeitsentwicklung und Kommunikation. Etwa zehn Jahre war ich - anfangs regional, später deutschlandweit - unterwegs. Mit einer nebenberuflichen Ausbildung zur Heilpraktikerin für Psychotherapie ermöglichte ich mir, die therapeutischen Vorgeschichten mancher Teilnehmer einordnen zu können. Für mich lag der Nutzen im Schwerpunkt des ressourcen- und lösungsorientierten Arbeitens nach systemischen Ansätzen und der klienten- bzw. kundenzentrierten Gesprächsführung nach Rogers.
Die Vortrags- und Lehrtätigkeit habe ich 2022 wieder aufgenommen.
Immobilien
Kreise schließen sich. In meinen buddhistischen Studienseminaren saßen u. a. der Leiter des Gutachterausschusses einer deutschen Großstadt, einer der Geschäftsführer eines Sachverständigenbüros ... Und immer wieder hieß es: Du musst Immobilien machen. Sie wussten nicht, dass mein Vater Bau- und Patentingenieur war; dennoch gingen anfangs mein ethischer Ansatz und die Vorstellung der Branche schwer zusammen. -
Eines Tages im Jahre 2010 biss ich an. Aus der anfänglichen RE/MAX-Lizenznehmerin wurde die Franchisenehmerin und Inhaberin von RE/MAX Excellence und seit 2016 von Excellence Immobilien. Der ersten, nebenstehenden Immobilie folgte ein Auftrag einer Vorstandsfamilie eines Automobilkonzerns, und in der Folge weitere ...
Die buddhistischen Gesetze der Existenz: sie haben standgehalten. Und ein Schlüssel war das Schreiben meiner außergewöhnlichen Exposés, verbunden mit unverbrüchlicher Geradlinigkeit und einer großen Fachkompetenz.
Ringe
Mit zahlreichen Veränderungen ab 2021 wurde mir klar, dass es spätestens 2023 zu einem Einbruch in der Immobilien- und Baubranche kommen würde. Mein initiatorisches und aufbauendes Naturell taugt jedoch nicht zur Moderatorin eines Niedergangs. Und so begann ich erneut zu schreiben. Ich warf alle Mosaiksteine meines Lebens noch einmal in die Luft. Und heraus kam eine fundierte Ausbildung an der europaweit wohl größten Akademie für ...
Copywriting
In Zeiten von künstlicher Intelligenz das Schreiben zum Beruf machen? Ja, genau dann. Denn zu keinem Zeitpunkt in meinem Leben gab es eine so große Sensibilität für anspruchsvolle Texte.
Doch der KI fehlt der psychologische Tiefgang eines dreistündigen Analyse- und Strategiegespräches; ihr fehlt die Originalität eines kreativen Geistes; ihr fehlt die Emphatie, auch DEINE Einzigartigkeit herauszuarbeiten und herauszustellen.
Und dafür bin ich da.
Rainer Maria Rilke
"Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,
die sich über die Dinge zieh'n.
Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,
aber versuchen will ich ihn."